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EMPFOHLEN VON ...
Katharina Bendixen, Leipzig
Fabian (30), München
Basti (26), Frankfurt
marionshine (29), Jena
Katharina Hartwell, Leipzig
Brutzelkritiker (31), Berlin
Zimtente (23), Berlin
War eindeutig das schlechteste Buch meines Sommers :( Unglaublich gewollt und dabei ohne wirkliche Ideen, und der "lustig-verwirrte" Ton nutzt sich spätestens nach 5 Seiten ab und nervt dann nur noch. Einen Spannungsbogen kann man, obwohl es ganz sicher einen geben sollte, auch nicht wirklich finden. Und die Pseudo-Auflösung am Ende ist einfach nur frustrierend. Ein Buch für die Indie-Hipster aus Berlin-Mitte: Es will so sehr anders (und dabei voller Esprit und liebenswert) sein, dass es weh tut. Ich will kein Buch lesen, dass cool sein will. Jedenfalls nicht, wenn es daran scheitert. 10.09.10
Basti (26), Frankfurt
Wie kann man gute Liebesgeschichten erzählen? Am besten so! Ein wunderschönes Buch mit einer neuen Sprache die außerhalb der alltäglichen Massenliebe steht. Eine leise, manchmal ein bisschen naive Stimme flüstert dir eine fantastische Erzählung ins Ohr. Und wie heißt es doch, was man flüstert möchte man für wahr halten. Ein wahres Buch also. 09.09.10
marionshine (29), Jena
Dieses Buch hat mir die Welt der "jungen Literatur" eröffnet. Eher zufällig ist es mir in die Hände geraten. Doch alsbald war mir klar - diese Buch ist einfach wunderbar. Es erfüllt in jeglicher Hinsicht die Ansprüche an ein gutes Buch in höchstem Maße. So ist es wunderbar geschrieben - ja wahrlich - es zu lesen war wie Musik im eigenen Ohr, die Geschichte - nicht vorhersehbar, lustig, kreativ, obskur und trotzdem so real es spräch sie von deinem Nachbarn nebenan. Lange kam ich nicht mehr in den Genuss ein derart gutes Buch lesen zu können. Also - wer bereit ist sich selber ein Geschenk zu machen und dabei die Welt für ein paar Stunden Welt sein zu lassen , der wird mit diesem Buch etwas gefunden haben! 06.08.10
Brutzelkritiker (31), Berlin
Ich und sechs andere Wer die Hypes der Literaturwelt der letzten Jahre verfolgt hat, weiß, dass man entweder Masturbationspraktiken mit Avocadokernen ausprobiert oder Drogen- und Partyerfahrungen eines anderen abgeschrieben haben muss, um zu ordentlichen Verkaufszahlen und der nötigen Aufmerksamkeit zu kommen. Dass die Qualität dabei notwendigerweise auf der Strecke bleibt, sollte klar sein. Und auch das übrige Programm bekannter Verlagshäuser zeugt nicht immer von vollendeter Lektoratskunst und einem Gespür für experimentelles, neues, anderes, aufregendes - kurz: Nicht jeder, der bei einem größeren Verlag ist, hat auch Talent. Und nicht jeder, der Talent hat, ist bei einem größeren Verlag. Da ist es manchmal umso beruhigender, dass es noch kleine Verlage mit Mut zum Risiko gibt, die in ihrem meist kleinen Programm die wahren Perlen ausfindig und einem kenntnisreichem Publikum zugänglich machen können. Als ein solcher Verlag hat sich der Berliner Kooksbooks Verlag einen Namen gemacht, mit Perlen der Lyrik und immer wieder auch der Prosa. Und eine wahrhaft großartige Perle wurde auch dieses Jahr wieder gefunden, "Ben", das Romandebüt von Annika Scheffel. Es handelt von einem, der, wie alle, Sohn seiner Eltern ist. Nur dass diese Eltern beide S. Schmitt heißen und ihren Sohn deshalb als "eine Art Abwehrzauber gegen alles, was grau war", Benvolio Antonio Olivio Julio Toto Meo Ho genannt haben. Und mit so einem Namen muss man erstmal zurecht kommen. Vor allem, wenn man leicht paranoid ist, da einen schon von Anfang an die fixe Idee verfolgt, eine gewisse Lea würde sterben, wenn man sie denn nur dreimal träfe. Das löst einen Fluchtreflex aus, der entweder zu dem Versuch führt, in eine agonieartige Starre zu verfallen oder man sich darauf einlässt, durch einen Spiegel in eine fremde Welt zu gehen, in der dann natürlich eine Prinzessin zu retten ist und ein fliegendes Pferd als Freund und Helfer fungieren soll. Die Hauptfigur, der Einfachheit halber meist kurz Ben genannt, versucht dabei auch, wie es ist, wenn man nicht mehr so einen langen Namen hat und lässt seine Identität damit Stück für Stück hinter sich. Oder versucht es zumindest. Ich ist also einer und sechs andere. Oder vielleicht auch immer der gleiche in unterschiedlichen Verkleidungen. Doch wer jetzt meint, das Geheimnis von Annika Scheffels "Ben" in der Psychologisierung schon entschlüsselt zu haben, der irrt. Wer dieser Empfehlung folgt und das Buch liest, bekommt nicht das, was er vielleicht erwarten würde, sondern sehr viel mehr. Einen Benvolio und noch sechs andere. Eine Liebesgeschichte, ein Märchen, das eine Liebesgeschichte sein könnte, wenn es denn kein Märchen wäre, eine Geschichte von Einsamkeit, eine Geschichte von Freundschaft, die Geschichte einer Familie und auch der Tod mit seinem Schlauchboot, ein älterer Herr und eine Frau in Tütenbekleidung spielen eine nicht unwichtige Rolle. Ein Roman also, in dem die Autorin alle Facetten ihres Talentes zeigen kann, einem Talent, mit dem sie, das weiß der Kenner und eines nicht allzu fernen Tages vielleicht auch eine etwas größere Anzahl von Menschen, reichlich gesegnet ist. Scheffel zeichnet sich durch eine gute Beobachtungsgabe, Sinn für die Poetik des Alltags, einen leicht verschobenen Blick und ein Gespür für Melancholie aus. Hier bekommt der philosophische Augenblick genauso seine Chance wie der absurde Dialog, die atmosphärische Situationsbeschreibung genauso wie der verrätselte Märchenton, der Perspektivwechsel als Bereicherung genauso wie die psychologische Analyse. Man muss kein großer Verlag sein, um Gespür für gute Literatur zu präsentieren. Manchmal reicht es, sich auf ein kleines Wagnis einzulassen und einem Text wie Annika Scheffels "Ben" eine Chance zu geben, der eine Spur neben den Konventionen und Erwartungen ist - deshalb aber umso interessanter. Dieses Buch hat wirklich jede Aufmerksamkeit verdient und ich hoffe, dass es sie auch bekommen wird 02.04.10
Die Möglichkeit einer Vekehrsinsel
Annika Scheffel hat nichts kopiert, keine Bücher, nicht mal ihr Leben, sie hat die Wirklichkeit mit den Möglichkeiten der Literatur verwirbelt, die Grammatik neu sortiert, hat aus der schönen Möglichkeit, als neue Autorin die weißen Seiten des ersten Buches mit einer eigenen, neuen Welt zu füllen, das Beste gemacht. So liest sich der Frühling. Und das liegt nicht nur an der Sonne.
(Volker Weidermann)
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25.04.2010




