Berlin Hardcore
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Babe (30), Berlin
Die Beschreibung neben dem Titel ist zur Abwechslung einmal sehr gut geraten! Kaufen. 29.04.08
Taz, Andreas Busche
Mit seiner Arbeitsweise kann sich Wirner in bester Gesellschaft fühlen. Guy Debord hat in seiner situationistischen "Gebrauchsanweisung für die Zweckentfremdung" bereits Mitte der 50er-Jahre das Plagiat beziehungsweise Zitat als notweniges und effizientes Mittel der Revolution propagiert. Es bediene sich der Ausdrücke seines Verfassers und ersetze eine falsche Idee durch eine richtige. "Die Entwendung ist die flüssige Sprache der Anti-Ideologie." Wirners Form der Ideologiekritik führt jedoch wesentlich weiter als Debords klassenkämpferischer Ansatz. Endete die Guerilla-Taktik der Situationisten schon in den 50er-Jahren in Intrigenkämpfen und Sektierertum, sieht Wirner sich als Teil einer aktivistischen Gegenöffentlichkeit, die ein ständiges Forum für einen reibungslosen Informationsfluss konstituiert. Er selbst bezeichnet sein tägliches Ringen mit vorformatierten Nachrichten und nur schwer verifizierbaren Informationen als tägliche Abwehrleistung'. Wirners Materialstudien sind gleichzeitig rationale Bewältigungsstrategie gegen eine aufkommende Medien-Paranoia wie auch eine dezidierte Auseinandersetzung mit der ideologisch aufgeladenen Sprache des "Feindes". Welche bisweilen grotesken Formen die annehmen kann, beweist Wirner in seinem zweiten Buch "Berlin Hardcore", dem jetzt zu Ende geführten Prequel zu "Installation Sieg", in dem er den Mythos der "Berliner Republik" von dessen Erbauern gleich selbst zerfleischen lässt. Von der hysterischern Aufbruchseuphorie über die "Ausländerproblematik" bis hin zu New Media und den 1.-Mai-Demos lässt er keine Thematik aus, die Dümmlichkeit der Hauptstadt-Prosa vorzuführen.
Spiegel Online, Gunnar Lützow
Dieser Wunsch nach Abgrenzung erklärt sich wohl aus dem Berlin-Rummel der vergangenen Jahre, der von den Tiefen des Boulevards bis in die Höhen der Bundespolitik gepflegt wurde. "Ohne sozialstaatliche Zwangsfürsorge winkt neue Freiheit und gelebtes Leben. Jeder ist seines Glückes Schmied, jeder sein eigener Lebensunternehmer." Diese Phrasen bekamen vor allem junge Intellektuelle zu hören, die in die Hauptstadt strebten. Nachzulesen ist dies im Stefan Wirners neuem Buch "Berlin Hardcore". Auf 115 Seiten reiht es wie schon das Vorgängerwerk "Installation Sieg" kommentarlos die Gräueltaten schmissiger Zeilenschinder und wackerer Phrasendrescher aneinander und stellt damit ein vor Absurdität triefendes Abbild der Berliner Verhältnisse dar. Ein Ratschlag des amerikanischen Kultautoren William S. Burroughs inspirierte Wirner zu dieser Montagetechnik: "William S. Burroughs hat einmal gesagt: Gehe in einen Supermarkt, nimm die Geräusche auf, spiele sie vor dem Supermarkt mit einem Tonbandgerät ab, und du wirst ein Höchstmaß an Verstörung erreichen."


