Merlin Verlag
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Tresckow (43), Berlin
Die Geschichte der beiden Brüder Schiller braucht zwar ein paar Seiten, bis man sich in ihr zurechtgefunden hat, aber dann lässt sie einen nicht mehr los und wirbelt den Leser durch halb Europa und Nordafrika und durch 70 Jahre Zeitgeschichte. Der Autor diskutiert die für mich immer noch interessante Frage von Schuld und Sühne aus einem interessanten neuen Blickwinkel. Die Brüder sind Algerier, die in Frankreich aufwachsen und nach dem Tod des deutschen Vaters erfahren, dass dieser als Nazi tief in die Judenvernichtung verstrickt war. Während der eine sich nach langen und detaillierten Nachforschungen quasi als Sühneopfer anbietet, will der andere den Kampf gegen die Nazis von heute (aus seiner Sicht die Islamisten in seinem Vorstadtviertel und in seiner alten Heimat Algerien) aufnehmen. Der Leser erfährt viel von der gesellschaftlichen Ralität in Algerien, dem Alltag in einer französischen Vorstadtsiedlung, er kann detailliert den Lebensweg eines ganz normalen Nazi-Verbrechers nachvollziehen und ganz nebenbei sehr interessante moralische Fragen durchdenken. Der Autor geht mit dieser Geschichte ein großes persönliches Risiko ein. Sowohl die Thematisierung des Holocaust als auch die Problematisierung des Islamismus sind in weiten Teilen der arabisch-islamischen Welt mit einem Tabu belegt. 06.04.11



