Der falsche Inder
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Edition Nautilus |
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Judith (31), Berlin
Mit hat das Buch überhaupt nicht gefallen. Ein Iraker, der durch die Welt zieht und, wenn er eine Stück nacktes Fleisch einer Frau sieht, immer sofort von seinen "Papier-Raubzügen" übermannt wird. Er klaut von überall Papier, komischerweise kann er sich Kinokarten leisten. Ich hatte das Gefühl, dass es nur um seine Eitelkeit als Schriftsteller geht. "Ich bekam so eine Art Schreibdurchfall. In der Nacht griff mich mein Traum wieder an. Ich schrieb wie besessen, und jedes Mal, wenn ich eine andere Zigeunerin sah, bebte mein ganzer Körper wie eine Nektar saugende Biene. ... Auf dem Schreibdrachen ritt ich etwa ein Woche, aber eine sehr aufregende und erfolgreiche Woche - in Anbetracht der vorherigen langen Schreibverstopfung." Naja, ohne Worte. Bin nur bis zur Mitte gekommen. 18.12.08
s77h (31), Berlin
Ein wunderbarer Schmöker. Hinreißend erzählt und raffiniert aufgebaut. 13.09.08
Kristin (34), Hamburg
Ich hab' nach 80 Seiten aufgegeben, sorry. Ich finde die Sprache holprig und bemüht, den Inhalt zäh und wenig geistreich, insbesondere wenn es um die Darstellung der Frauen geht. Nicht für mich! 12.09.08
tobi29s (30), Bad Segeberg
Ich habe mittlerweile drei Mülltonnen. Hausmüll. Biomüll. Und eine blaue Tonne für Papierabfälle. Als ich gestern die überfüllte Papiertonne sah und auch der Altpapiercontainer in unserer Stadt mal wieder lückenlos voll gestopft war, musste ich an das Buch 'Der falsche Inder' denken. Nein, ich möchte das Buch von Abbas Khider nicht entsorgen. Aber der Held des Romans, ein junger Mann, der im Irak geboren ist, aber durch sein Aussehen nicht als Iraker sondern eher als Zigeuner oder Inder bezeichnet wird, würden die Augen tränen, wenn er den Papierkonsum in unserer Wegwerfgesellschaft sehen könnte. Der falsche Inder betreibt "Papierdiebstahl", weil für ihn Papier ein teurer, wichtiger Stoff ist. Er schreibt seine Erlebnisse und seine Gedichte auf den Rändern der alten Zeitungen oder auf dem Papier, in dem die irakischen Obsthändler ihre Datteln einwickeln. Oder zwangsweise auf den Wänden der Gefängniszellen. Und er hat einigen zu erzählen, von der diktatorischen, irakischen Regierung, von den Problemen der Unterdrückung, von seiner Flucht aus dem Irak über Italien, Türkei, Ägypten bis nach Berlin, von uneinsichtigen Polizisten und vom deutschen Bürokratismus. Abbas Khider schildert die Geschichte des falschen Inders in einer klaren Prosa, er versteht es die Härte im Leben des Iraker zu vermitteln, ohne auf den Humor zu verzichten. Besonders Kapitel 6 ("Die Wunder") hat mich überzeugt. Hier beschreibt der falsche Inder die kleinen und großen Wunder, die nötig sind, wenn man sich als Flüchtling vor Diktatoren, vor der Polizei und vor merkwürdigen Wahrsagern behaupten muss. Er beschreibt dies mit einer Leichtigkeit und einer bildreichen Sprache, dass man ihm, wenn man wieder vor den überfüllten Altpapiercontainer steht, Säcke davon zusenden möchte, in der Hoffnung das er sie mit seinen liebevollen Geschichten beschreibt. Für den Verleger und vor allem für die Leser: ein Glücksgriff. 10.09.08
rida68 (40), München
Den Roman finde ich super. Er hat die Welt der Flüchtlinge erklärt. Wie sie leben, denken, träumen und hoffen anderes Leben zu leben und jede auf seiner Art und was das manchmal kostet. Resul war ein von vielen, die diese Träume gehabt haben, das andere Ufer zu erreichen. Abbas Khider könnte uns wirklich in ausgezeichneter Art vom Schreiben erklären, wie die Leute in den anderen Ländern denken, träumen und leiden. 09.09.08
Christin (23), Augsburg
Acht Kapitel in einem Leben unter dem Stern der Flucht. In der griechischen Zahlensymbolik erhält die Zahl acht unter anderem die Bedeutung für „die materielle Welt“, „die Gerechtigkeit“ und „den Gott Kronos“. So zwiespältig und frei interpretierbar, so vielseitig und auch entstückelt, vielleicht darf man es auch zusammenhangslos nennen, kommt auch das Romandebüt des Irakers Abbas Khider daher. Der Leser beginnt seine Reise mit dem Protagonisten recht unspektakulär im ICE 1511 von Berlin nach München. Dort findet der Ich-Erzähler ein Manuskript, welches auf unerklärliche Weise sein Leben, seine Flucht, seinen Leidensweg beschreibt, dem wir als Leser nun in acht Kapiteln folgen. Es seien kurz die Stationen geschildert, die sich nacheinander als kurzzeitige Heimat für den Erzähler, den Manuskriptschreiber erweisen sollen: vom Irak über Jordanien, Lybien, Tunesien, die Türkei, Griechenland und Italien kommt er nach Deutschland. Jedes einzelne Kapitel beschreibt diesen Weg unter einem anderen thematischen Gesichtspunkt, so möchte ich meinen. In der immer wiederkehrenden Reihenfolge seiner Fluchtpunkte schildert Rasul Hamid seine Herkunft, warum er überall fälschlicherweise für einen Inder gehalten wird, warum er das Schreiben und Lesen brauchte, um zu überleben, und wie es sich generell anfühlt, ein Fliehender, Geächteter und niemals Heimatfindender zu sein. Die Thematik als solche ist eine, deren literarische Umsetzung in der Gegenwart zu beglückwünschen ist. Der Stoff ist einer, der fesselt und Lust auf das Buch macht, doch die Umsetzung bleibt für den Leser immer wieder schwierig und erschließt sich erst durch selbstbewirkendes Zusammenfügen dieser Puzzleteile zu einem Ganzen, was den Lesegenuss durchaus ein wenig mindert, denn Wiederholungen bleiben nicht unbedingt aus und die Verwirrung besteht dennoch weiter. Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen, da ich, in einem Land lebend, das eine derartige Lebensstruktur als Flüchtling in Furcht und Angst um den nächsten Schritt noch nicht kennt, sich jedoch wahrscheinlich tagtäglich mit Menschen auseinander setzt, hinter deren Fassaden gleichartige Geschichten sich verbergen mögen, die Bücher befürworte, die der Wirklichkeit reale Namen zu geben vermögen. Man merkt Khider aber wohl sein lyrisches Denken an, welches springt, Metaphern für einen jetzigen Schreibaugenblick webt, ohne an einem großen Ganzen für einen wohlwollenden Leser zu stricken. Dennoch: lesenswert, wenn auch mit größeren Mühen. 09.09.08
marit (25), Mannheim
Keine Flüchtlingsgeschichte aus alten Zeiten, kein melodramatisches Werk über den Umbruch im Irak der letzten Jahre, sondern eine sehr persönliche Erzählung zwischen dem Getrieben werden von anderen und dem von sich selbst. Diese Botschaft ist ganz klar an mich heran getreten. Dennoch empfand auch ich die mehr oder weniger immer wiederkehrenden Stationen des Reisenden Rasul nicht gekonnt in ein großes Ganzes eingebettet, vielmehr ist man bei der dritten Perspektive der Flüchtlingsreise schon fast im Bilde darüber, was als nächstes passiert. Natürlich sind alle wiederkehrenden Handlungen unter bestimmten Vorzeichen geschrieben, ja durch eine feine Beobachtung gefärbt, nur leider ist am Ende nicht ganz feststellbar, warum . Ich saß heute nicht im ICE München-Berlin, sondern Hamburg-Stuttgart und irgendwie hatte ich am Ende gehofft, dass neben mir plötzlich ein Umschlag liegen würde, der scheinbar niemandem gehört. 08.09.08
kl239 (31), Berlin
Die beeindruckende Geschichte eines Irak-Flüchtlings über drei Kontinente bis nach Deutschland. Jedes Kapitel hat ein eigenes Thema, nach dem der gesamte Lebenslauf durchsucht wird - allerdings kommt es so ständig zu Wiederholungen. Bei einer klassisch-chronologischen Erzählweise wären die vielen erschütternden Ereignisse nicht einfach nur Aufzählungen oder Mini-Episoden geblieben, die man schnell verwechselt oder vergisst. 07.09.08


