Die neue Sicht der Dinge
Gedichte
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Barbara (42), New York
Ulrike Almut Sandig, Leipzig
moritzhagen (19), Lebach
brunlaf (38), Magdeburg
Barbara (42), New York
Donnelly’s Gedichte beschäftigen sich – wie vielleicht alle Lyrik – mit dem durch Sprache Sagbaren, bzw. sie tasten sich mit diversen Strategien an jene Grenze heran, hinter der das nicht mehr Sagbare liegt. Dabei haben sie sehr viel Freude am Reden, wie zum Beispiel in „Der Fahrer des Wagens ist bewusstlos“ (der Titel ist einem Deutschlehrbuch für Anfänger entnommen), da ist dann „Asche im Auge und in der Nase und im Mund und//der Mund hört nicht auf, er tröstet sich selbst, er tröstet mich.“ Und das Reden an sich wird furios zum Selbstzweck, häufig humorvoll, immer virtuos, mit formalen Strömungen (Donnelly unterrichtet u.a. Prosodie an der Columbia-Universität). Die Gedichte bewegen sich zwischen lyrischen Meditationen und post-modernen Experimenten. Zu letzteren zählen insbesondere die so genannten „Patriot Act Operations“ – eine Technik die den amerikanischen Patriot Act zusammen mit einem weiteren Text (z.B. Bruce Springsteen’s „Born to Run“) als Lexikon, will heißen Wort-Quelle, für fulminante Wortkaskaden, die höchst unterhaltsame Wortneuschöpfungen ermöglichen, seien das Enthüllungsvillen“ oder „Akte von Textverletzung.“ Der „Traum von amerikanischen Hillbillies,“ eine Assemblage aus Osama Bin Ladens „Declaration of War against die Americans Occupying the Land of the Two Holy Places“ und dem Titelsong der Fernsehserie „The Beverly Hillbillies“, emergiert als zutiefst komische Hetzrede mit unklaren Adressaten. Andere Gedichte sind sich ausdehnende Meditationen, die sich nahezu als Liebesgedichte gebärden: „die letzten Schwingungen/verklangen, um erinnert zu werden, an einem Ort, den uns vorzustellen/wir niemals aufhören würden: und dort fanden wir unseren Anfang.“ („Die letzten Schwingungen“). ... aber nie in Sentimentalität abrutschend, sondern der eigenen Subjektivität gewahr: „[Ich sage] ... dass das Streben nach Objektivität abhängt vom Glauben/ an die Genauigkeit der eigenen Wahrnehmungen, will heißen/von einer Gewissheit bezüglich der Reinheit des wahrnehmenden Instruments.“ („Die neue Sicht der Dinge“). Und die zweisprachige Ausgabe ermöglicht ein Lesen zwischen den Texten, das interessante Entdeckungen in beiden Sprachen generieren kann (so man sich auf das Wandern zwischen 23.09.08
brunlaf (38), Magdeburg
für die derzeitige Stimmung unter US-Intellektuellen gibt es meiner Meinung nach kaum einen besseren Einblick als mit diesem schwierigen, aber lohnenswerten Gedichtband. Hier und da funkelt es einem entgegen, manchmal auch ein wenig dröge verkopft. Alles in allem aber eine absolute Empfehlung. 21.07.08


