Früher im Licht
salis
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Bettina (48), Pisa
Ich habe mich fürs Testlesen dieses Krimis beworben, weil ich – aus nostalgischen Gründen – gern in der Schweiz angesiedelte Romane lese. Und ich kam auf meine Kosten, was die Nostalgie betrifft. Nicht nur meine, sondern offenbar auch die des Autors betreffend Ungarn. Abgesehen davon hat der Autor (bewusst oder unbewusst) alle Regeln befolgt, die in den Creative-Writing-Kursen gelehrt werden: rasanter Einstieg, ein nicht banaler Protagonist mit komplexem psychologischem Profil, nachvollziehbare Motivationen der handelnden Figuren, interessante, evtl. sogar exotische Schauplätze, die die gängigen Klischees bedienen, gut aufgebaute Spannungsbögen, usw. Was dabei etwas auf der Strecke bleibt, ist die Seele der Geschichte. Will sagen, dieser Krimi scheint gleichsam als eine Art Mind's Game entwickelt worden zu sein und wirkt deshalb wie am Reißbrett konstruiert und in Szene gesetzt. Er schlürft sich sehr angenehm unter dem Sonnenschirm am Meer, aber danach legt man ihn zur Seite und vergisst ihn. 01.11.09
lucia (29), Berlin
Verschiedene Erzählebenen, viele Bilder: „Früher im Licht“ spielt in der Schweiz, Ungarn und Kuba und handelt von dunklen Machenschaften, Politik, Geld, Macht; Kommissar Varga, seinem letzten Fall, seinen Frauen, seiner Kindheit, seinen Erinnerungen und dem mit jeder Seite schneller werdenden Wettlauf mit der Zeit, dem Tod, auf der Suche nach einem Mörder, der nicht zuletzt auch sein eigener ist. Chill & Thrill, Spannung & Schmunzeln: ausspannen, runterkommen, Füße hochlagern... Kiss’ liefert das passende Buch dazu – ein flüssig zu lesender Krimi, ausgestattet mit allen inhaltlichen und formalen Ingredienzen, die nichts zu wünschen übrig lassen. 01.10.09
donnakranowna (30), Darmstadt
die perspekive des `komatösen komissars´ macht hier den braten fett, da sie sprunghafte rückblenden möglich macht und die spannung befeuert, ob der leser nun den tathergang noch vollständig rekonstruiert bekommt, bevor das lebenslicht der hauptfigur erlischt. danke fürs testlesen-dürfen, ich hatte spaß daran! 14.09.09
uwedt (47), Neuried
KRIMI-TROUVAILLE AUS DER SCHWEIZ. Tamás Kiss beschreibt in seinem Debütroman „Früher im Licht“ nicht nur ein Verbrechen, sondern beschäftigt sich auch mit ganz anderen Fragen. So gibt es immer wieder Rückblenden ins Budapest der Fünfzigerjahre, als sowjetische Panzer die Ungarische Revolution niederwalzten. Auch die Ermittlungen in Havanna haben ihren Reiz, scheinen aber teilweise etwas unglaubwürdig. Ärgerlich sind zudem einige Ungenauigkeiten bezüglich Kuba, aber auch Chile. Und obwohl der Autor „immer wieder in Havanna“ weilt, bedient er lediglich die gängigen Klischees. Trotz dieser Schwächen ist dies ein richtig spannender Krimi, der bis zur letzten Seite fesselt. Kiss ist mit Kommissar Varga von der Zürcher Polizei eine Figur gelungen, die ebenso originell ist wie die Story mit ihren verschiedenen Ebenen. Zur eigentlichen Aufklärung des Falles kommt Varga allerdings nicht mehr, da er erschossen wird. Gedanklich gelingt ihm aber dann doch die Lösung, er setzt noch „ein letztes Komma, und auf ging’s ins Licht“. „Früher im Licht“ ist als zweiter Titel der Reihe „sel noir Krimi“ im schweizerischen Independent-Verlag Salis erschienen. 09.09.09
hjreiter (55), Kirchdorf an der Krems
Ein colasüchtiger Schweizer Kommissar aus Ungarn auf Mördersuche in Havanna. Dazu noch skrupellose rechte schweizer Politik verwickelt mit skrupelloser linker Diktatur. Als weiter Ingredienz noch 3 verschiedene Zeitebenen. Das sind die Zutaten zu einem durchaus spannenden, am Anfang kompliziert zu lesenden Krimi. Der Sinn der Konstruktion des Krimis mit den 3 Ebenen erschliesst sich mir nicht ganz, obwohl die Ereignisse in Ungarn 1956 durchaus interessant sind. Die Einschübe sind nur leider nicht organisch, sondern sprunghaft und unklar. Trotzdem entwickelt der Krimi einen Sog, der mich gefesselt hat. 08.09.09
freystil (37), Gießen
Ein Protagonist und drei verschiedene Zeitebenen! Keine Kapitel dafür absatzweiser Wechsel des Handlungsstrangs. Kommissar Varga wird zwischen seiner aktuellen Situation - angeschossen, den Emittlungen im Mordfall und seiner Kindheit hin und her geschubst. Das ist extrem unruhig und warum das Aufwachsen so ausgebreitet wird verstehe ich nicht. Die Formatierung finde ich dabei wenig hilfreich. Der Krimi als solches ist aber einigermaßen spannend und mir gefällt die schnörkellose und direkte Sprache. 27.08.09


