Tschador
Blumenbar |
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mediokra (46), München
Sehr schöne Sprache. Die Gefühle der Hauptperson werden sehr bildhaft und lebendig beschrieben. Ein sehr lesenswertes Buch. 01.04.09
seb (30), Leipzig
Ich kann das Buch nur empfehlen: wegen seiner poetischen Sprache, den starken Bildern und seiner beeindruckenden Athmosphäre. Außerdem ist es ein kluges und anschauliches Plädoyer gegen den Fundamentalismus. 17.01.09
Sueddeutsche Zeiitung, 14.10.08
Verena Mayer
...Mungans Sprache trägt dem Bilderverlust auf kunstvolle Weise Rechnung. Murathan Mungan, der 1955 geboren wurde und in der Türkei ähnlich bekannt ist wie Orhan Pamuk, muss die Dinge nicht aussprechen, um deutlich zu werden.
Das Land, in dem er seinen Roman ansiedelt, hat keinen Namen, man kann Iran, Afghanistan oder den Irak darin sehen, aber auch die Situation im Nahen Osten ganz allgemein. Mungan verliert keine überflüssigen Worte, er vertraut der Kraft seiner Bilder, die treffend und genau sind wie Symbole.
Um etwa zu beschreiben, was der Tschador für eine Gesellschaft bedeutet, muss er keine Koran-Verse zitieren und keine feministischen oder islamkritischen Streitschriften bemühen. Er besinnt sich einfach auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes, das aus dem Persischen kommt und Zelt heißt.
Und wo Frauen in ein "Stoffzelt mit Sichtgitter" gezwungen werden, sind sie irgendwann auch "nichts weiter als gehende und sich regende Zelte". In einem Halbsatz hat Murathan Mungan fundamentalistisches Gedankengut besser auf den Punkt gebracht als jeder Kopftuchstreit.
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Tagesspiegel, Gregor Dotzauer
11.10.08
Eine namenlose Stadt in einem namenlosen Land. „Soldaten des Islam“ haben das alte Regime hinweggefegt – und mit ihm das gewohnte Leben. Hitze und Staub liegen über den Trümmern und Traumata, die der Krieg zurückgelassen hat. Nur mit der ganzen Kraft seiner Erinnerung erkennt Akhbar, der in seine Heimat zurückkehrenden Protagonist von Murathan Mungans Roman „Tschador“, die Orte seiner Kindheit überhaupt wieder. Die Menschen, die er sucht, sind fast alle verschwunden. Die Mutter: angeblich weggezogen. Die Schwester: nicht ausfindig zu machen. Der Bruder: umgekommen.
„Tschador“ erzählt von einer gespenstischen Agonie, die dadurch noch gesteigert wird, dass die Welt, in der sie sich ausbreitet, dem freien Blick derer, die in ihr leben, entzogen ist. Die Männer nehmen alles offensichtlich Weibliche nur noch verschleiert und verhüllt wahr, der weibliche Fokus wird durch den Sehschlitz der allgegenwärtigen Burkas begrenzt. „Wie“, heißt es einmal, „sahen die Unsichtbaren die Welt, die ihnen verbot, gesehen zu werden?“
Murathan Mungan, 1955 in Istanbul geboren und in der Türkei der erfolgreichste Schriftsteller seiner Generation, dessen Bücher regelmäßig an der Spitze der Bestsellerlisten stehen, entwirft in seinem allegorischen Roman eine Szenerie, in der sich politische Endzeitvision, anthropologische Spekulation und persönliche Phantasmagorie vermischen. Seine beeindruckende Kraft bezieht der Roman aus einem mit betont archaisierenden Sätzen aufgeladenen Pathos des Elementaren. Sein symbolisch dräuender Überschwang rückt ihn passagenweise aber auch in die Nähe des Kitschs.
Doch man wird dem vor vier Jahren im Original erschienenen „Tschador“ nur gerecht, wenn man das Buch im Zusammenhang eines Werks sieht, das sich in den Traditionen des orientalischen Märchens so selbstverständlich bewegt wie in dem Kosmos, den Murathan Mungan als offen schwul lebender Türke bewohnt. Die Modernität, die „Tschador“ dabei erreicht, unterscheidet sich sowohl von dem oft behäbigen Fabulieren, in dem sich Orhan Pamuk übt, wie von dem zupackenden, an amerikanischer Literatur geschulten Storytelling, mit dem sich Elif Shafak als internationaler Exportartikel empfiehlt.


