Lesebesen
25, Rostock
Über Lesebesen
Herausgeber und Chefredakteur der Literaturzeitschrift "Weisz auf Schwarz" (www.weisz-auf-schwarz.de), Literaturwissenschaftler und Essayist, Lyriker und kurze Prosa. Auszeichnungen: Rhetorikpreis für das extremste Beispiel für Unbeispielhaftigkeit 2003; Publikumspreis um den Lyrikmeister Mecklenburg-Vorpommerns 2002; leider noch kein überregionales Engagement als im Medium der Zeitschrift.
EMPFOHLENE BÜCHER
Belletristik 06
Diverse Autoren, Felix Lüttge
Verlagshaus JFrank
Belletristik 05
Diverse Autoren, Hannes Koehler
Verlagshaus JFrank
Tonbrand Schlaf
Mara Genschel
Connewitzer Verlag
Makellos
Tom Bresemann
Verlagshaus JFrank
Was macht dich schön
Felix Wetzel
worthandel : verlag
Der Haschisch-Club
Diverse Autoren
Tropen Verlag
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KOMMENTARE
Belletristik 05 von Diverse Autoren, Hannes Koehler
"... sagte der Tom und meinte nicht zuletzt die Seite 21. Aber ja, das stimmt. Die Ausgabe ist voll von kurzweiligen Texten mit und ohne Tiefgang, versilbert mit Grafiken, wahrlich ein Silberstück." 26.09.08
Tonbrand Schlaf von Mara Genschel
"nich?" 21.09.08
Tonbrand Schlaf von Mara Genschel
"Mara Genschel, in der FAZ in den höchsten Tönen niederrezensiert, hat mit Tonbrand Schlaf genau die Tendenz bestätigt, welche sich zur Zeit in der Lyrik vollzieht. In leiser avantgardistischer Manier steht sie jenseits des Kanons, welcher die "großen" Themen der Lyrik aufsaugt. Sie konzentriert sich auf das, worauf wieder Wert gelegt wird in der teutschen Poeterey: die Sensibilität. Darum gehen ihre Gedichte nicht in die Breite, die weltumspannenden Themen, sondern in die Tiefe, welche nun mal im sensiblen Geist selbst liegt. Keinesfalls nach Ulrich Greiners ZEIT-Prognose "die Gartenlaube hat uns wieder" ist Genschel weit davon entfernt Mauerblümchenlyrik und Postpubertätspoesie zu schreiben. Ihre Reife liegt in dem, was unter den Teppich gekehrt wird: in der Privatheit der Gefühle. Nun könnte man sagen: das Private soll gefälligst dort bleiben, wo es her kommt. Doch ist ja gerade das Private das, was allen gemein ist. Und Genschel gelingt hier die zarte Explikation dessen, was so schwer sagbar ist: Aus der Nudelsuppe des Alltags lassen sich Worte lesen. Unbedingt anzuraten." 15.09.08
Die Simpsons und die Philosophie von William Irwin, Mark T. Conard, Aeon J. Skoble
"Du wirst lachen, es ist Ernst. Dieses Buch wurde in Rostock bereits unter Lehramtsstudenten der Philosophie im Fach Didaktik auf seine Brauchbarkeit hin untersucht und für gut befunden. Ein brauchbarer Band, um jungen Leuten die Philosophie näher zu bringen. Mangel: Das Motto "Zurück zu den Sachen" (Husserl) jedoch wird von mir bevorzugt. Primärtexte lesen. Das Leben kann trotzdem einfach sein." 30.07.08
[SIC] - Zeitschrift für Literatur Nr. 3 von Diverse Autoren
"Was für eine schön konzipierte, durch und durch durchdachte Zeitschrift, gekleidet in edlen Schwarz- und Graustoffen, rotbraun druchwirkt. Ein sagenhaftes Layout, reif, rund, mit eingestreutem illustrativem Krach, so ganz und gar vorzeigbar. Das Editorial schon schafft es, in bescheidenem Ton Großes anzukündigen. Günter Kunert, noch immer eine lyrische Dampfmaschine im Zeitalter der Magneteisenbahnen. Headliner sind erlaubt, die Jungen kommen nicht zu kurz: pulsarisch-verausgabend spucken sie mit giftiger, lauter, bunter Materie um sich... oder: etwas leiser, aber mit viel eigenem Senf, da schmiert keiner Honig sonstwohin, sprachlich wundervolle Textkreaturen, da ist Musik drin! Viele schöne Findlinge im Steinbruch, alles Geheim- und Allgemeintipps. Sollte man nicht ins Regal stecken! - Zu schön und zu schmaler Rücken und muss immer wieder gelesen werden! Was bleibt noch zu sagen? Ein Jahr warten." 27.06.08
Album von Sabine Scho
"Sabine Scho, Album: dreimal lesen! Wie ein Fotoalbum schlägt sich das Buch beim ersten Mal auf in sehr nostalgischem (Farb)Ton, die (wieder einmal sehr sehr schöne) retrohafte Buchgestaltung gibt den ehrwürdigen Eindruck, es mit alten Negativen zu tun zu haben und hier wird somit Schwarz auf Weisz zu Weisz auf Schwarz. Zu Negativen und Schwarzmalereinen werden die Gedichte, vielleicht, weil sie tatsächlich vor einem drückenden schwarzen Hintergrund ihre Wirkung nicht entfalten können und das dominante Dunkel die Gedanken verdrängt, die dem Leser eine modernere, frischere Lesart erlauben. Die Illustrationen (sehr zu loben) sind minimalistisch, ausschnitthaft und detailversessen, lenken aber ebenfalls oft von einer unvoreingenommenen Lesart ab - ist es nun der Tatsache geschuldet, dass die Agfa-Aera vorbei und das digitale Zeitalter angebrochen ist, dass man (ich) nicht hineinkommt? Und was heißt hier "Album"? Ist es ein Fotoalbum, welches verstaubte, herbarisierte Momente zeigt, Situationen, oder ist es ein Liedalbum, welches immer wieder aufgelegt (!) wird (wenigstens ein zweites Mal, der guten alten Zeiten wegen)? In beiden Fällen wird es nicht jünger, nur älter. Hilft nichts, nochmal lesen, um dieses Vorurteil los zu werden. Nun wirken so Zeilen wie "Verblühungen an Händen und Füßen" brillant und können die Dunkelheit im Buch völlig überbelichten. Von Sprachwortspielslapsticks bis zu raffiniertem Sprachdribbling alles dabei. Liest man dann noch einmal, beginnt man, über das Schwarz-Experiment hinweg- und nur den Text sehen zu können. Dann plötzlich kommt der Blitzauslöser und man sieht scharfe Konturen und schöne Bilder! Man kann die Texte also doch zeitgenössisch lesen, das Schwere der Lakritzigkeit in den Seiten kann abgestreift und als spielerisches In-Szene-setzen verstanden werden und plötzlich müsste man sagen: "keine Resonanz, Schwardrossel" - Doch, aber nur gute. "flieg. Fetzen."" 27.06.08
Hermetisch offen von Diverse Autoren, Ulrike Almut Sandig, Tom Bresemann, Marius Hulpe, Thien Tran, Philip Maroldt
"Es ist zur Zeit gang und gäbe, die Rolle der Literatur zu erfragen. Die literarische Selbst- und Fremdverortung resultiert aus dem Bedürfnis nach Orientierung, welche nur menschlich, allzu menschlich ist. Die Frage nach dem Befinden und der Befindlichkeit will dabei in Erfahrung bringen, wie das Innen und Außen der Person einzuordnen sei. „Worin besteht das Verführerische an der Poesie? Wie ist die geheimnisvolle Sphäre beschaffen, an der sie entsteht? Was überhaupt sind Gedichte, jene Universen auf kleinem Raum? Und welche Position können sie gerade heute einnehmen?“ Diese Fragestellungen bestimmen eine kleine Publikation, die nicht wenig Wirkung zu haben und Perspektiven zu eröffnen verspricht. Ron Winkler hat in der Herausgabe der Anthologie Hermetisch offen Beiträge zwischen Buchdeckeln vereinigt, die sich mit diesem Thema auseinander setzen. Es ist ein notwendiges Projekt, und es ist wie ich finde glänzend gelungen. Dass dabei vieles selbst wieder literarisch ist, ist nur umso einleuchtender und gibt dem Projekt seine notwendige Konsistenz und Überzeugungskraft. Hier liest sich einiges als private Rechtfertigung, anderes als programmatischer Aufruf. Wozu noch Literatur (oder Lyrik)? ist immer wieder die Frage, die nicht nur Ausdruck einer jungen Literatur ist, sondern auch nach einer Koordinate abseits des Literaturkanons verlangt. Wird sie noch wahrgenommen und wenn ja, wie? Auch berechtigt ist die Frage: „Wer? liest die zeitgenössische Lyrik außer den zeitgenössischen Dichtern selbst?“ Dabei ist bewusst auf Stimmen verzichtet worden, die uns täglich in Feuilletons begegnen, die Stimmen der kleinen und großen Goliaths des Literaturmarktes; es sprechen hier die Stimmen derjenigen, welche auch einen Stein zu schleudern wissen gegen den Mainstream. Da ist die Rede von Gedichten als „Öffner, Schleusen, Katalysatoren“, ihre Aufgabe liege in der Einsichtnahme in die „Vorgänge eines gesamten Sprachsystems“, sie codieren Intimität, sie sind sensible allergische Reaktionen auf die realen Entitäten der Welt. Das Schreiben einerseits als Weg, „Haltung zu wahren in einer Welt, welche Wirklichkeit zu sein behauptet, sich ihrer Beweislage sicher ist“, andererseits als „Gewaltakt, der Realität generiert“. Es finden sich auch poetische Anleitungen zum Verfassen von Lyrik, poetologische Selbsteinschätzungen und produktionsästhetische Methoden. Dieses Sammelsurium beleuchtet einen Gegenstand, den man aus dem Blick des jeweiligen Künstlers einfühlsam und behutsam kennenlernt. Denn es ist doch ein allzu sensibler Gegenstand, die Lyrik." 04.05.08
vereinzelt Passanten von Ron Winkler
"Ich weiß nicht wer einmal behauptete, dass ein guter Lyriker in seinem Leben eigentlich im besten Falle nur 2 wirklich gute Gedichte, "Meistergedichte" schreibt (Gottfried Benn?) - jedenfalls finden sich in diesem Band mindestens drei davon und der Rest steht denen sehr nahe. Zu den besten gehören "Strandsemiotik", "maritimes Gedicht Nr. XII" und "kleine maritime Poetik". Der Rest ist Schweigen. meinerseits. Was noch zu sagen bleibt: "niemand ist hier (man fehlt)": die von Menschen fast vollkommen entvölkerte Sphäre der winklerschen Lyrik (darum ist der Titel schon ironisch zu lesen) belebt sich durch die behut- und sorgsam beobachtete Natur, ist jedoch fernab davon, bloß Naturlyrik zu sein. Winklers Metaphorik öffnet den alltäglichen Wahrnehmungshorizont und dehnt die Begriffe, so dass dem Leser siedend heiß einschießt, dass die Grenzen unserer Sprache längst noch nicht ausgelotet sind und die Welt noch immer nicht zu Ende ist. " 04.05.08
Die Entbehrlichen von Ninni Holmqvist
"Dieses Buch ist eine grauenvolle Utopie, in welcher kinderlose Intellektuelle sich für Organspenden verfügbar machen müssen. Ein sehr einfallsreicher Endzeit-Roman, in welchem man heutige Tendenzen in der Gesellschaft fast stufenlos in eben dieses Grauen weiterspinnen könnte. Leider neigt die Autorin zum Psychologisieren, so weiß man stets und ständig, was die Protagonistin so denkt und fühlt und wünscht und warum sie dies und jenes so denkt und fühlt und wünscht. Hier wäre ein paarmal Schweigen oder Kürzen nicht schlecht gewesen. So wird das Bangen vor der Wahrscheinlich- oder gar Wirklichwerdung einer solchen Welt für den Leser nicht selten gestört durch die leicht naiv verklärte Gefühls- und Gedankenwelt der Dorrit Wegner: So lässt sich dieser Roman durchaus neben "Fahrenheit 451" (Bradbury), "1984" (Orwell) oder "Brave New World" (Huxley) sehen, leider lehnt sich die Sprache leicht ins Pathetische und verliert damit das subtil-Moralische der bekannten Utopien. Meine Frage an den Roman: Kann dieses Zukunfts-Szenario nicht genügend Spannungspotential und Psychologie transportieren, so dass die Ängste noch bis ins Kleinste und Dunkelste und Kitschigste in der Seele der Protagonistin hinein seziert werden muss? Bei alledem bleibt dieses Buch aber durchaus lesens- und empfehlenswert und dürfte mindestens jedem Utopienliebhaber eine "'schöne' neue Welt" vorstellig machen. ****" 02.05.08